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Was wurde eigentlich aus … Asbest?

Was wurde eigentlich aus … Asbest?

Leicht zu verarbeiten, aber auch sehr fest, hitze- und säurebeständig, ausgezeichnet dämmend, nicht brennbar und die Fasern können leicht zu Garnen versponnen und verwebt können werden – so ein Material lässt kaum Wünsche offen. So wurde das altgriechische Wort für unvergänglich, „asbestos“, zur Bezeichnung für die Wunderfaser Asbest. Der Begriff bezeichnet eine Gruppe von Silikat-Mineralien. Sie kommen in der Natur vor und kristallisieren faserförmig aus. Nach der Aufbereitung ergeben sich daraus technisch verwendbare Fasern unterschiedlicher Länge und Feinheit. Bekannt sind die Eigenschaften dieser Mineralien schon lange. Erwähnt wurde Asbest zum ersten Mal im dritten Jahrhundert vor Christus. Auch der römische Naturforscher Plinius der Ältere berichtet von „unbrennbarem Leinen“. Allerdings war das Material außerordentlich teuer. Der Legend nach soll Karl der Große seine Gäste dadurch beeindruckt haben, dass er seine Tischdecke im Feuer reinigte – das ging nur mit Asbest.

Mit der industriellen Revolution brach dann im 19. Jahrhundert die große Zeit des Werkstoffs an. Ab etwa 1820 wurden die Fasern zu feuerfester Kleidung verarbeitet. Feuerfeste Dächer oder Wärmedämmungen für Dampfmaschinen kamen hinzu. Weinhändler entdeckten in den 1880er-Jahren die Eigenschaften von Asbestan-Schwemmfiltern. Im Jahr 1901 erhielt der Österreicher Ludwig Hatschek ein Patent für ein Verfahren zur Herstellung von Kunststeinplatten unter Verwendung von Asbestfasern. Damit begann ein wahrer Boom: Faserzement für Dachschindeln, Dach-Wellplatten oder Fassadenverkleidungen, Rohre, Knöpfe oder Telefongehäuse, Teile für elektrische Geräte, Postsäcke, Getränkefilter oder Zahnpasta – sie alle und noch viele andere Produkte enthielten Asbest.

Gesundheitsrisiko Asbest

Doch mit dem Boom kamen auch die Gesundheitsrisiken heraus. Denn beim Bearbeiten mit Maschinen oder bei falschem Umgang setzt Asbest einzelne Fasern frei. Sind sie länger als 5 Mikromenter und haben sie einen Durchmesser von maximal 3 Mikrometer sowie ein Längen-Durchmesser-Verhältnis von mindestens 3:1, wird es gefährlich. Solche Fasern können in die Lungenbläschen (Alveolen) gelangen, aber dort nicht abgebaut werden. Schon geringe Mengen reichen aus, um die Krankheit Asbestose auszulösen. Die Asbestfasern können dazu führen, dass das Lungengewebe vernarbt und verhärtet (Fibrose), oder Lungenkrebs und Lungenfellkrebs auslösen.

Asbest gilt heute deshalb als Gefahrstoff und ist in vielen Staaten verboten. Auch die Entsorgung ist schwierig – gerade wegen der Eigenschaften, die den Asbest früher so begehrt machten. Asbesthaltige Abfälle werden heute auf Deponien abgelagert oder unter Tage verbracht. Die Sanierung von Gebäuden mit asbesthaltigen Baustoffen ist sehr aufwendig.

Alternativen zu Asbest

In vielen Anwendungen ersetzen heute andere Stoffe den Asbest: Glas- oder Steinwolle dienen zum Dämmen, Keramikfasern helfen bei Hochtemperaturanwendungen oder im Chemielabor. In Hitzeschutzbekleidung, Reibbelägen oder Dichtungen ersetzen oft verschiedene Faserformen von Aramid den Gefahrstoff. Auf Dächern verwendet man heute je nach Dachneigung Schiefer, Titanzink oder Dachpfannen als Ersatz. Die Alternativen sind allerdings oft teurer als Asbest, weshalb im Jahr 2020 immer noch 1,2 Millionen Tonnen produziert wurden. In vielen Entwicklungsländern gilt das eingesparte Geld immer noch mehr als der Gesundheitsschutz.

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