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DSGVO, ePrivacy & KI

DSGVO, ePrivacy & KI

Die „Schreckgespenster“ der digitalen Gegenwart?

Sowohl die DSGVO als auch die viel diskutierte Künstliche Intelligenz sind im vergangenen Jahr zu DEN Schreckgespenstern der digitalen Welt aufgestiegen. Aber sind sie das wirklich? Im Rahmen des Nürnberg Digital Festivals zog der Jurist Udo Meisen Bilanz zur DSGVO und gab einen Ausblick auf künftige Veränderungen wie die ePrivacy-Verordnung. „Bald schlauer als wir? Was macht künstliche Intelligenz mit unserem Leben?“ war die zentrale Fragestellung im Museum für Kommunikation, wo sich Expertinnen und Experten zum Thema KI die Klinke beziehungsweise das Mikrofon in die Hand gaben.

Digitaler Wandel in allen Lebensbereichen

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf Wirtschaft, Leben, Kultur und Gesellschaft? Müssen wir am Ende vor der ePrivacy noch größere „Angst“ haben als vor der DSGVO und am allermeisten vor der unaufhaltsamen Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz? Fragen, mit denen sich das Nürnberg Digital Festival in zahlreichen Vorträgen, Seminaren und Workshops Mitte Oktober stellte. Ob Gesundheitswesen, Wirtschaft, Entertainment, Arbeitswelt oder Judikative – alle Lebensbereiche werden von den schnell voranschreitenden Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, beeinflusst. Wir haben uns im Rahmen zweier interessanter Vortragsabende damit auseinandergesetzt. Ein Resümee.

Digitale Gegenwart -Nürnberg Digital Festival
Im Coworking Nürnberg war Udo Meisen, Jurist aus Köln, zu Gast, um über die Entwicklungen der DSGVO und der ePrivacy-Verordnung zu referieren.

Nach der DSGVO ist vor der ePrivacy

Udo Meisen, Jurist und Spezialist für Digitales, bilanziert, was sich nach fast sechs Monaten DSGVO geändert hat – und stellt fest: Die ganze Aufregung um den Stichtag, sie war zwar nicht umsonst, zumindest aber übertrieben. Denn so überraschend, wie es in den letzten Wochen vor endgültigem Inkrafttreten der DSGVO anmutete, kam diese nun wirklich nicht. Bereits 2016 wurde die Datenschutzgrundverordnung vom Europäischen Parlament beschlossen und unterschied sich in weiten Teilen nicht vom bereits vorher geltenden Bundesdatenschutzgesetz. Als aber der Stichtag im Mai 2018 näher rückte, war die DSGVO auf einmal in aller Munde – und in jedem Postfach: Auf einmal flatterten zahlreiche E-Mails durch den digitalen Raum, die um Einwilligung baten, die Daten weiter nutzen zu dürfen, wurden oft nur zur Kenntnis genommen, oft auch ignoriert, manchmal (eher selten?) beantwortet.

Inzwischen hat sich der erste Aufruhr gelegt. Und auch die erwartete Abmahnwelle blieb aus (vor allem, weil die meisten noch immer im DSGVO-Glashaus sitzen und keiner wirklich den ersten Stein werfen möchte, so Meisen). Dennoch war die durch die DSGVO ausgelöste Aufregung sinnvoll und notwendig, da sie zumindest die Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz, das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen und rechtmäßigen Umgang mit Datenverarbeitung provoziert hat. Auch in unserer Branche kamen anfangs Bedenken auf, wie nun mit Presseverteilern, mit Kundenkontakten zu verfahren sei. Aber schnell kam die Entwarnung, die auch Udo Meisen in seinem Vortrag bestätigte: Solange ein berechtigtes Interesse von seiten des Empfängers daran besteht, „Daten“ als Information zu erhalten (beispielsweise durch den Versand von Presseinformationen an Journalisten), ist alles im grünen Bereich.

Tiefgreifender dagegen wird sich die ePrivacy-Verordnung auf die vorhandenen Online-Marketing-Tools auswirken. Die Verordnung soll den Schutz der elektronischen Kommunikation sicherstellen und hat das Potenzial, die Online-Kommunikation und das Online-Marketing ordentlich aufzurühren.

Das in der Verordnung enthaltene Tracking-Verbot wird Plattformen wie Whatsapp und Facebook genauso betreffen wie redaktionelle Seiten, E-Commerce-Anbieter, die Informationsangebote von Vereinen oder Online-Spiele. Um Profildaten künftig zu erheben und entsprechend trackingbasierte Werbeanzeigen zu schalten, bedarf es zwingend einer ausdrücklichen Zustimmung. Pseudonymisierung der Daten ist nach Inkrafttreten der ePrivacy-Verordnung nicht mehr ausreichend, die Unterscheidung zwischen pseudonymem und personenbezogenem Tracking entfällt.

Aber: Die ePrivacy-Verordnung befindet sich derzeit noch im Gesetzgebungsverfahren der EU, wird also noch eine ganze Zeit lang auf sich warten lassen. Damit sie aber nicht ebenso „überraschend“ über uns hereinbricht wie die DSGVO,  hat es durchaus Sinn, das Verfahren und die Inhalte der Verordnung auch jetzt schon im Auge zu behalten, beispielsweise über den Bundesverband Digitale Wirtschaft, der über alle Aktualisierungen informiert.

 

Reißen Roboter die Weltherrschaft an sich?

Während des Vortragsabends „Bald schlauer als wir? Was macht künstliche Intelligenz mit unserem Leben?“, der von den Nürnberger Nachrichten im Museum für Kommunikation veranstaltet wurde, war schnell klar, wie groß die Unsicherheit (und auch das Unwissen) bezüglich des doch recht komplexen Themas Künstliche Intelligenz ist. Zu Beginn des Abends stellte die Moderatorin Franziska Holzschuh drei Fragen an das Publikum:

„ 1. Sind Sie in Ihrem Alltag bereits in Berührung mit Künstlicher Intelligenz gekommen? 2. Macht Ihnen Künstliche Intelligenz Angst? Und 3. Glauben Sie, dass KI uns den Alltag erleichtern wird?“

Digitale Gegenwart -Nürnberg Digital Festival
Im Museum für Kommunikation waren unter anderem die beiden Roboter “Pepper” und “Nao” zu Gast.

Die Abstimmung per Handzeichen war bezeichnend: Nur gut ein Drittel der Anwesenden meldete sich auf Frage eins – viel zu wenig, bedenkt man, was alles in den Bereich KI fällt, wie zum Beispiel Chatbots (die wohl jedem Online-Nutzer bereits begegnet sind). Bei den Fragen zu Angst vor und Nutzen von KI hielt sich das Publikum in etwa die Waage. Im Verlauf der Expertenvorträge wurde deutlich, dass vor allem das, was Hollywood zum Thema KI vermittelt – sei es der „Terminator“ oder „iRobot“ – das Schreckensbild vor „Künstlicher Intelligenz mit Weltherrschaftsbestrebungen“ schürt. Tatsächlich aber, so die Vortragenden, sind wir von einem derartigen Szenario himmelweit, ach, ganze Galaxien weit, entfernt.

Der Einfluss auf bestimmte Berufsgruppen aber – den Journalismus da nicht ausgenommen, wie wir in einem vergangenen Blog-Beitrag bereits erläutert haben – ist nicht wegzudiskutieren. Ersetzen können Roboter oder KI-Systeme den Menschen zwar noch lange nicht. Allerdings wird in bestimmten Branchen, wie der automatisierten Industrie, aber auch (und vor allem) im Transportwesen, KI in wenigen Jahrzehnten dem Menschen im wahrsten Sinne des Wortes das Steuer aus der Hand nehmen, so Michael Husarek, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten: Egal ob Straßen-, Schienen- oder Luftverkehr, die momentan beispielsweise noch ins Feld geführten Argumente (wie die Tesla-Unfälle) gegen automatisiertes Fahren werden in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr gelten.

Vor der allwissenden, unfehlbaren KI müssen wir allerdings grundsätzlich auch weiter keine Angst haben, wie Prof. Dr. Ute Schmid, Professorin für Angewandte Informatik der Universität Bamberg, erklärt, und zwar aus einem ganz simplen Grund: KI ist lernbasiert. Und Lernvorgänge implizieren immer auch Fehler. Das heißt, dass es das fehlerfreie KI-System schlichtweg niemals geben wird. Entwarnung also.

Am Ende des dreistündigen Abends werden die Eingangsfragen an das Publikum erneut gestellt. Und tatsächlich hat sich das Verhältnis der gehobenen Hände geändert – und relativiert: Beinahe alle sind sich nun im Klaren darüber, wie viel KI bereits in unserem Alltag steckt. Und bei der Frage nach dem Nutzen von KI gehen nun einige Hände mehr nach oben, die Vorträge haben dem „Schreckgespenst KI“ also doch ein wenig den Wind aus den Segeln genommen.

Wir sind gespannt, was das Nürnberg Digital Festival im nächsten Jahr zu bieten hat. Über die diesjährigen Vorträge halten wir abschließend fest: Rundum empfehlenswert und im nächsten Jahr auf jeden Fall einen erneuten Besuch wert.

Digitale Gegenwart -Nürnberg Digital Festival

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