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Roboterjournalismus

Roboterjournalismus

Automatisierte Texterstellung aus dem Computer?

 

Haben Sie bei den Worten Roboter und Künstliche Intelligenz schon mal an Ihre Tageszeitung gedacht?

Kürzlich stieß ich wieder mal auf einen Beitrag zum Thema Roboterjournalismus:

https://amp.zdf.de/nachrichten/heute/wenn-der-computer-nachrichten-schreibt-100.html

Roboter können bei Nachrichten, deren Wortlaut sich regelmäßig wiederholt, Journalisten im Grunde „die Arbeit abnehmen“. Man könnte auch sagen: ersetzen. Was hat es damit auf sich?
Natural Language Generation (NLG) ist der Künstlichen Intelligenz zuzuordnen und bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Computer Texte in natürlicher, also menschlicher, Sprache erstellt. Aus heutiger Sicht vor allem dann einsetzbar, wenn die Texte ohnehin in ständig wiederholenden Wortlauten wiedergegeben werden. Das ist beispielsweise bei Sportnachrichten, Börsennachrichten oder auch der Wettervorhersage der Fall. Die Technik wird bereits vereinzelt angewandt.
Zwar sollen auch schon Bücher von Computern geschrieben worden sein, aber der Niveauunterschied war – glücklicherweise – wohl deutlich erkennbar.
Roboterjournalismus ist eine interessante Sache, sofern er von Menschen kontrolliert wird, denn ein Fehler mag beim Sportergebnis noch verzeihlich sein, bei den Börsennachrichten ist er es nicht.

 

Wie viel Roboterjournalismus umgibt uns schon?

Und würden wir ihn erkennen? Die New York Times hat unter dem Titel „Did a Human or a Computer write this?“ kurze Texte veröffentlicht, bei denen Sie Ihr Wissen testen können. (Ich gebe nur ungern zu, dass ich selbst nur vier von acht richtig erraten habe.)

https://www.nytimes.com/interactive/2015/03/08/opinion/sunday/algorithm-human-quiz.html?_r=0

Allerdings, dies zu meiner und vielleicht auch Ihrer Ehrenrettung: es handelt sich nur um sehr kurze Textbausteine. Das ist auch das momentane Einsatzgebiet des Roboterjournalismus.
Laut der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien lässt die amerikanische Nachrichtenagentur AP pro Quartal etwa 4.000 Sport- und Finanznachrichten per Computer erstellen. Das Ziel von AP ist es bis zum Jahr 2020 80 Prozent des gesamten Nachrichtenangebots automatisiert texten zu lassen.
An Storytelling und individuellen, längeren Beiträgen scheitern die Computer bislang. Dies scheint zu komplex für die Maschinen.

 

Roboterjournalismus kann ein Gewinn für den Journalismus werden

In der ZDF-Portal-Veröffentlichung heißt es:
“Eines der Heilsversprechen der NLG lautet, dass Journalisten so mehr Zeit für aufwendigere Recherche und bessere Artikel bekämen. Das wird sich aber in den wenigsten Redaktionen durchsetzen lassen. Denn den Verlegern bereitet die finanzielle Sorge des Unternehmens weitaus mehr Kopfzerbrechen als die journalistische Qualität – insgesamt geht’s eher um Einsparungs-Potential.”
Mehr Zeit für Recherche und eigene Artikel wären zu befürworten, denn sie würden den Journalismus stärken. Wenn allerdings nur gespart werden soll, wird es (weiter?) bergab gehen mit dem Journalismus. Es ist davon auszugehen, dass heute über 80 Prozent der Berichte von PR-Leuten, Presseabteilungen etc. angestoßen werden: als Information, Idee / Themensetting oder ganzer Text.
Mit was, wenn nicht auch eigenen Artikeln wollen die Verlage denn ihr Dasein gegenüber Lesern und Kunden rechtfertigen? Dann lieber Allerweltsnachrichten vom Roboter und recherchierte und sauber geschriebene Artikel von den Journalisten.

 

Zum Weiterlesen: Aus 2016 aber noch immer aktuell, ein Interview mit dem Kommunikationswissenschaftler Dr. Andreas Graefe von der LMU München, der über automatisierten Journalismus forscht:

https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2016/graefe_journalismus.html

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